
Die Qualität Ihrer Cocktails wird nicht durch teure Spirituosen, sondern durch die Meisterschaft über den Sirup definiert.
- Die Zuckerkonzentration steuert gezielt das Mundgefühl und die Haltbarkeit Ihrer Kreationen.
- Professionelle Extraktionstechniken (heiß vs. kalt) sind entscheidend, um das wahre Aroma jeder Zutat zu entfalten.
Recommandation : Beginnen Sie damit, einen einfachen 2:1-Sirup (Rich Simple Syrup) herzustellen, um sofort den Unterschied in Textur und Tiefe im Vergleich zu gekauften oder 1:1-Sirupen zu erleben.
Sie haben in eine gute Flasche Gin investiert, frische Limetten gekauft und sich an einem anspruchsvollen Cocktail versucht, nur um am Ende enttäuscht zu sein? Der Drink ist flach, irgendwie künstlich süß und ihm fehlt die seidige Textur, die Sie aus einer guten Bar kennen. Oft liegt der Schuldige nicht in der Spirituose, sondern in einer unscheinbaren Zutat: dem Sirup. Viele Home-Bartender greifen zu Fertigprodukten aus dem Supermarkt oder kochen schnell etwas Zucker mit Wasser auf, ohne das immense Potenzial zu erkennen, das in dieser Komponente steckt.
Der übliche Ratschlag lautet, einfach Zucker und Wasser zu gleichen Teilen zu mischen. Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs. Was wäre, wenn Sie Zucker nicht nur als Süßungsmittel, sondern als technisches Werkzeug betrachten würden, ganz wie ein Pâtissier? Ein Pâtissier versteht, dass Zucker die Textur verändert, Aromen konserviert und als Träger für komplexe Geschmacksprofile dient. Es geht nicht darum, Rezepte nachzukochen, sondern die physikalischen und chemischen Prinzipien dahinter zu meistern.
Dieser Artikel bricht mit dem simplen „Zuckerwasser“-Ansatz. Wir tauchen tief in die Techniken der Profis ein und zeigen Ihnen, wie Sie die volle Kontrolle über Geschmack, Mundgefühl und Haltbarkeit Ihrer Cocktails gewinnen. Wir werden die Wissenschaft hinter der Zuckerkonzentration entschlüsseln, die richtigen Extraktionsmethoden für empfindliche Kräuter und robuste Wurzeln beleuchten und Techniken wie das Oleo Saccharum erkunden, um kein Fitzelchen Aroma mehr zu verschwenden.
Dieser Leitfaden ist Ihre Ausbildung zum Sirup-Meister. Entdecken Sie, wie Sie mit den Augen eines Pâtissiers Sirupe kreieren, die Ihre Drinks von „nett“ zu „unvergesslich“ verwandeln. Die folgende Struktur führt Sie schrittweise von den Grundlagen der Zuckerphysik bis hin zu fortgeschrittenen Techniken der Profi-Barkultur.
Inhaltsverzeichnis: Vom Zucker zur Alchemie – Ihr Weg zum perfekten Cocktail-Sirup
- Warum macht mehr Zucker den Sirup haltbarer und das Mundgefühl besser?
- Warum sollten Sie Minze oder Gurke niemals kochen, Ingwer aber schon?
- Wie verhalten sich Honig, Agave oder Birkenzucker im Cocktail?
- Wie extrahieren Sie das maximale Aroma aus Zitrusschalen ohne Saft?
- Muss Wodka in den Sirup, damit er 3 Monate hält?
- Mandel (Orgeat) oder Falernum: Welche Sirupe müssen Sie selbst kochen für Top-Ergebnisse?
- Wie viel Zucker wird heimlich in Ihren „Premium“-Rum gemischt?
- Directional Freezing: Wie stellen Sie glasklartes Eis im eigenen Gefrierfach her?
Warum macht mehr Zucker den Sirup haltbarer und das Mundgefühl besser?
Die grundlegendste Entscheidung bei der Sirup-Herstellung ist das Verhältnis von Zucker zu Wasser. Während der gängige 1:1-Sirup (Simple Syrup) schnell gemacht ist, schwören Profis auf den 2:1-Sirup, auch „Rich Simple Syrup“ genannt. Der Grund dafür liegt in der Physik des Zuckers. Eine höhere Zuckerkonzentration bindet mehr freie Wassermoleküle. Dies erschwert es Mikroorganismen wie Schimmel und Bakterien, sich zu vermehren, was die Haltbarkeit dramatisch verlängert. Während ein 1:1-Sirup im Kühlschrank oft nur einen Monat hält, kann ein 2:1-Sirup problemlos bis zu sechs Monate frisch bleiben.
Doch die Vorteile gehen über die reine Konservierung hinaus. Der zweite, entscheidende Aspekt ist das Mundgefühl (Viskosität). Ein Sirup mit höherem Zuckeranteil ist dicker und seidiger. Wenn er in einem Cocktail verwendet wird, verleiht er dem gesamten Drink mehr Körper und eine luxuriösere, vollere Textur. Denken Sie an den Unterschied zwischen Magermilch und Sahne. Der Rich Simple Syrup fügt eine ähnliche Reichhaltigkeit hinzu, die einen Sour-Cocktail von einem wässrigen Getränk in ein samtiges Erlebnis verwandelt. Er integriert die Säure und den Alkohol harmonischer und rundet das Geschmacksprofil ab.
Praxisbeispiel: Haltbarkeit und Textur im Vergleich
Ein Rich Simple Syrup mit einem Zucker-zu-Wasser-Verhältnis von 2:1 hält sich laut Praxistests bis zu sechs Monate im Kühlschrank, während normaler 1:1-Sirup oft schon nach etwa einem Monat Anzeichen von Verderb zeigt. Die erhöhte Zuckerkonzentration wirkt nicht nur als effektives natürliches Konservierungsmittel, sondern verleiht dem Cocktail gleichzeitig spürbar mehr Körper und ein volleres Mundgefühl, was besonders bei Shortdrinks wie einem Old Fashioned oder Daiquiri zur Geltung kommt.
Zudem ist der finanzielle Aspekt nicht zu vernachlässigen. Während Fertigprodukte oft teuer sind, ist die Herstellung zu Hause extrem kostengünstig. Selbstgemachter Zuckersirup kostet oft unter 50 Cent pro Liter, während man für gekaufte Sirupe schnell 10 bis 12 Euro für eine 700ml-Flasche bezahlt. Die Kontrolle über Qualität, Textur und Haltbarkeit ist somit auch ein smarter wirtschaftlicher Schritt.
Warum sollten Sie Minze oder Gurke niemals kochen, Ingwer aber schon?
Nachdem die Zuckerbasis stimmt, kommt die Kunst der Aromatisierung. Ein weit verbreiteter Fehler ist, jede Zutat einfach mit dem Zuckerwasser aufzukochen. Dies zerstört jedoch die feinen, flüchtigen Aromen von empfindlichen Kräutern oder Früchten. Die goldene Regel lautet: Unterscheiden Sie zwischen hitzeempfindlichen und hitzebeständigen Zutaten. Die Aromenextraktion ist keine Einheitslösung, sondern erfordert unterschiedliche Techniken.
Frische, zarte Kräuter wie Minze, Basilikum oder Koriander sowie wasserhaltige Zutaten wie Gurke oder Melone besitzen sehr volatile ätherische Öle. Kocht man sie, verfliegen diese nicht nur, sondern es entstehen auch bittere, grasige Noten – ähnlich wie bei verkochten grünen Bohnen. Hier ist die Kaltinfusion (Mazeration) die Methode der Wahl. Die Kräuter werden in den bereits abgekühlten Sirup gegeben und dürfen für mehrere Stunden oder sogar über Nacht im Kühlschrank ziehen. Der Zucker entzieht den Zellen durch Osmose schonend die Aromen, ohne sie thermisch zu beschädigen.

Im Gegensatz dazu stehen robuste Zutaten wie Ingwer- und Galgantwurzeln, Zimtstangen, Nelken oder Chilis. Ihre Aromastoffe sind fester in der Zellstruktur gebunden und benötigen Hitze, um vollständig extrahiert zu werden. Hier ist das Mitkochen für 5 bis 15 Minuten ideal. Die Hitze bricht die Zellwände auf und setzt die tiefen, würzigen und oft scharfen Noten frei, die bei einer Kaltinfusion verborgen blieben. Das Ergebnis ist ein Sirup mit einem intensiven und komplexen Geschmacksprofil, das in einem Penicillin oder einem würzigen Winter-Cocktail standhält.
Wie verhalten sich Honig, Agave oder Birkenzucker im Cocktail?
Weißer Kristallzucker ist der neutrale Standard, aber die Welt der Süßungsmittel ist riesig und bietet eine Palette an Aromen und Texturen, die Cocktails gezielt verändern können. Die Wahl der Zuckerart ist eine bewusste Entscheidung, die weit über die reine Süße hinausgeht. Jede Alternative bringt ein eigenes Aromenprofil und unterschiedliche physikalische Eigenschaften mit sich, die es zu verstehen gilt.
Honig beispielsweise ist nicht nur süßer als Zucker, sondern bringt je nach Sorte komplexe florale, erdige oder fruchtige Noten mit. Ein milder Akazienhonig verhält sich anders als ein kräftiger Waldhonig. Er harmoniert wunderbar mit Gin (wie im Bee’s Knees) oder Whiskey. Agavensirup, der Star in Margaritas, ist noch süßer und hat den großen Vorteil, sich auch in kalten Flüssigkeiten hervorragend aufzulösen. Sein Geschmack ist relativ neutral mit einer leichten pflanzlichen Note.
Eine spannende Alternative aus der modernen Pâtisserie ist Birkenzucker (Xylit). Er hat fast die gleiche Süßkraft wie normaler Zucker, erzeugt aber einen subtilen Kühleffekt im Mund. Dies kann in frischen Drinks wie einem Mojito oder Gin Basil Smash für eine zusätzliche sensorische Ebene sorgen. Brauner Zucker oder Rübenzucker wiederum bringen durch ihren Melasseanteil Noten von Karamell und Toffee ins Spiel, die perfekt zu Rum-basierten Cocktails wie einem Old Fashioned passen.
Der folgende Vergleich zeigt, wie sich die gängigsten Alternativen in Bezug auf Süßkraft und Charakteristik unterscheiden. Es ist wichtig zu beachten, dass eine höhere Süßkraft eine Anpassung der Menge im Rezept erfordert, um die Balance des Cocktails nicht zu stören.
| Süßstoff | Süßkraft vs. Zucker | Besondere Eigenschaft | Ideale Cocktails |
|---|---|---|---|
| Honig | 1,2x süßer | Florale, komplexe Aromen | Bee’s Knees, Whiskey-Drinks |
| Agavensirup | 1,5x süßer | Neutral, löst sich gut kalt | Margarita, Tequila-Cocktails |
| Birkenzucker (Xylit) | 0,98x süß | Kühleffekt im Mund | Mojito, frische Sommerdrinks |
| Rübenzucker | 1x (Standard) | Melasse-Noten | Rum-Cocktails, Old Fashioned |
Wie extrahieren Sie das maximale Aroma aus Zitrusschalen ohne Saft?
Eine der elegantesten und effektivsten Techniken der Profi-Barkeeper ist die Herstellung von Oleo Saccharum (lateinisch für „Öl-Zucker“). Diese Methode extrahiert die hochkonzentrierten ätherischen Öle aus den Schalen von Zitrusfrüchten, ohne den Saft zu verwenden. Das Ergebnis ist ein unglaublich aromatischer, intensiver Sirup, der die leuchtende Essenz von Zitrone, Orange oder Grapefruit einfängt, ohne die Säure des Saftes. Es ist die ultimative Methode, um das volle Potenzial der Frucht zu nutzen.
Das Prinzip dahinter ist pure Osmose. Zucker ist hygroskopisch, das heißt, er zieht Wasser an. Indem man Zitrusschalen mit Zucker bedeckt, entzieht der Zucker den Zellen der Schale langsam ihre Feuchtigkeit – und mit ihr die wertvollen, aromatischen Öle. Wichtig ist, nur die äußere, farbige Schale (Zeste) zu verwenden und die weiße Haut (Albedo) darunter zu vermeiden, da diese bitter schmeckt. Nach einigen Stunden hat der Zucker die Öle buchstäblich aus der Schale gezogen und sich in einen duftenden, öligen Sirup verwandelt.
Diese Technik ist nicht nur geschmacklich überlegen, sondern auch ein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit in der Küche und Bar. Sie verkörpert den „Nose-to-Tail“-Ansatz für Früchte: Die Schalen werden zu einem potenten Sirup, während der Saft für den Cocktail selbst verwendet werden kann. So wird Abfall vermieden und der maximale Wert aus jeder Zutat geschöpft. Wie das Mixology Magazine, ein führendes deutsches Fachmagazin für Barkultur, hervorhebt, ist dies mehr als nur eine Technik; es ist eine Philosophie.
Die ‚Nose-to-Tail‘-Verwertung der ganzen Frucht – Schale für Sirup, Saft für den Drink – entspricht dem starken Nachhaltigkeitstrend in Deutschland und zeigt, wie professionell Abfall vermieden wird.
– Mixology Magazine, Fachmagazin für Barkultur
Ihr Plan zur Herstellung von Oleo Saccharum
- Bio-Zitrusfrüchte gründlich waschen und vollständig abtrocknen.
- Die Schalen mit einem Sparschäler dünn abschälen, dabei das bittere weiße Albedo vermeiden.
- Die Schalen in eine Schüssel geben und mit der doppelten Gewichtsmenge an Zucker bedecken.
- Mit einem Stößel die Schalen sanft im Zucker andrücken und zerdrücken, um die Zellwände aufzubrechen und die ätherischen Öle freizusetzen.
- Die Schüssel abdecken und für 2 bis 24 Stunden bei Raumtemperatur stehen lassen, bis der Zucker die Öle extrahiert hat und ein Sirup entstanden ist.
Muss Wodka in den Sirup, damit er 3 Monate hält?
Die Haltbarkeit von selbstgemachten Sirupen ist eine häufige Sorge. Während ein hoher Zuckergehalt (wie im 2:1-Sirup) bereits eine starke konservierende Wirkung hat, gibt es weitere Methoden, um die Lebensdauer zu verlängern, besonders bei empfindlichen Frucht- oder Kräutersirupen. Der bekannteste Trick ist der Zusatz von hochprozentigem Alkohol.
Ein kleiner Schuss neutraler Alkohol wie Wodka oder Korn wirkt als zusätzliches Konservierungsmittel, das das Wachstum von Bakterien und Schimmel weiter hemmt. Die Menge ist dabei entscheidend: Es geht nicht darum, den Sirup alkoholisch zu machen, sondern eine für Mikroorganismen unwirtliche Umgebung zu schaffen. Eine gängige Praxis unter deutschen Barkeepern ist der Zusatz von 15 bis 20 ml neutralem Alkohol pro 500 ml Sirup. Dies kann die Haltbarkeit eines im Kühlschrank gelagerten Sirups von einigen Wochen auf mehrere Monate verlängern, ohne den Geschmack merklich zu beeinflussen.
Doch Alkohol ist nicht die einzige und nicht immer die beste Lösung. Eine clevere Alternative, die tief in der deutschen Tradition der Marmeladen- und Konfitürenherstellung verwurzelt ist, ist die Verwendung von Zitronensäure. Sie erfüllt gleich zwei wichtige Funktionen in einem Sirup.
Alternative Konservierung: Die Zitronensäure-Methode
Zitronensäure-Pulver, das in jeder deutschen Drogerie wie DM oder Rossmann erhältlich ist, ist ein exzellentes natürliches Konservierungsmittel. Es senkt den pH-Wert des Sirups, was das Wachstum von Mikroben stark einschränkt. Gleichzeitig fungiert die Säure als Geschmacksverstärker und sorgt für eine bessere Balance, indem sie die Süße des Zuckers ausgleicht und fruchtigen Aromen mehr Leuchtkraft verleiht. Ein halber Teelöffel auf 500 ml Sirup genügt oft schon, um die Haltbarkeit signifikant zu verlängern – ganz ohne Alkohol.
Die Entscheidung zwischen Alkohol und Säure hängt vom gewünschten Ergebnis ab. Für eine rein konservierende Wirkung ohne Geschmacksveränderung ist Wodka ideal. Wenn der Sirup jedoch von einer leichten, frischen Säurenote profitieren kann (wie bei den meisten Fruchtsirupen), ist Zitronensäure die elegantere und oft bessere Wahl.
Mandel (Orgeat) oder Falernum: Welche Sirupe müssen Sie selbst kochen für Top-Ergebnisse?
Während ein einfacher Zuckersirup leicht zu ersetzen ist, gibt es eine Kategorie von Sirupen, bei denen der Unterschied zwischen einem handwerklich hergestellten und einem industriellen Produkt so gewaltig ist wie der zwischen einem frischen Laib Brot vom Bäcker und einem Toastbrot aus der Plastiktüte. Dies sind komplexe, emulgierte oder stark gewürzte Sirupe wie Orgeat, Falernum oder Grenadine. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen.
Orgeat, der unverzichtbare Mandelsirup für einen Mai Tai, ist das beste Beispiel. Gekaufter Orgeat schmeckt oft penetrant nach künstlichem Bittermandel-Aroma und hat eine dünne, wässrige Konsistenz. Echter, selbstgemachter Orgeat wird aus echten Mandeln hergestellt, was ihm eine cremige Textur und ein tiefes, nussiges und komplexes Aroma verleiht, oft abgerundet mit einem Hauch Orangenblüten- oder Rosenwasser. Der Unterschied im Cocktail ist nicht subtil, er ist transformativ.
Ähnliches gilt für Falernum, einen karibischen Gewürzsirup mit Noten von Limette, Ingwer, Mandel und Nelke. Industrielle Varianten sind oft überzuckert und eindimensional, wobei eine einzige Gewürznote alles andere überdeckt. Ein hausgemachter Falernum hingegen erlaubt es Ihnen, die Balance der Gewürze perfekt auf Ihren Geschmack abzustimmen und eine frische, lebendige Würze zu erzielen, die gekaufte Produkte niemals erreichen. Selbst bei Grenadine, oft nur als roter Zuckersirup missverstanden, ist der Unterschied enorm: Echter Granatapfelsaft ergibt einen herb-fruchtigen, komplexen Sirup, während die meisten kommerziellen Produkte nur aus Zucker, Wasser und künstlichen Aromen bestehen.

Der Aufwand für die Eigenproduktion dieser Spezialitäten lohnt sich nicht nur geschmacklich, sondern auch finanziell, wie der folgende Vergleich zeigt.
| Sirup-Typ | Hausgemacht | Industriell (z.B. Monin) | Preisunterschied |
|---|---|---|---|
| Orgeat | Cremig, nussig, komplex | Künstliches Bittermandel-Aroma | 3€ selbst vs. 12€ gekauft |
| Falernum | Frische Gewürznoten, ausbalanciert | Oft zu süß, eindimensional | 5€ selbst vs. 18€ gekauft |
| Grenadine | Echter Granatapfel-Geschmack | Künstliche Farbe und Aroma | 4€ selbst vs. 8€ gekauft |
Wie viel Zucker wird heimlich in Ihren „Premium“-Rum gemischt?
Die Perfektionierung des eigenen Sirups hat einen weiteren, oft übersehenen Vorteil: Sie gibt Ihnen die absolute Kontrolle über die Süße zurück. Diese Kontrolle ist wichtiger, als viele denken, denn in der Welt der Spirituosen wird oft mehr Zucker zugesetzt, als man vermutet. Besonders bei Rum ist die nachträgliche Süßung, die sogenannte „Dosage“, eine weit verbreitete Praxis, selbst im Premium-Segment.
Viele als hochwertig vermarktete Rumsorten enthalten versteckte Zuckerzusätze, die dazu dienen, raue Kanten abzuschleifen und ein weicheres, zugänglicheres Geschmacksprofil zu erzeugen. Was als Qualitätsmerkmal empfunden wird, ist oft nur eine Maske aus Zucker, die die wahre Komplexität der Spirituose verfälscht. Dies macht es extrem schwierig, einen Cocktail auszubalancieren. Wenn Sie nicht wissen, wie süß Ihre Basis-Spirituose bereits ist, wird jede Zugabe von Sirup zu einem Glücksspiel.
Viele als ‚Premium‘ beworbene Rumsorten enthalten versteckte Zuckerzusätze (‚Dosage‘), die den Geschmack verfälschen. Online-Datenbanken von Rum-Bloggern listen den tatsächlichen Zuckergehalt – die Kontrolle über die Süße liegt letztendlich beim selbstgemachten Sirup, nicht beim Rum selbst.
– Zitat-Adaption basierend auf Expertenmeinungen, Quelle: Robb Report Deutschland
Indem Sie einen trockenen, ungesüßten Rum wählen und die Süße präzise über Ihren eigenen, handwerklich hergestellten Sirup steuern, übernehmen Sie die Rolle des Maestros. Sie entscheiden über die exakte Balance zwischen Süße, Säure und Alkohol. Der Trend zu vorgesüßten Produkten ist im gesamten Markt sichtbar. Dies spiegelt sich auch im Markt wider, wo laut einer BSI-Marktanalyse der Absatz von vorgemischten Ready-to-Drink-Produkten allein 2024 um 10,8 % zulegte und diese bereits 9 % des deutschen Spirituosenmarktes ausmachen. Die Herstellung eigener Sirupe ist somit auch ein Akt der Befreiung von der undurchsichtigen Süßungspraxis der Industrie.
Der eigene Sirup ist Ihr Präzisionsinstrument in einer Welt versteckter Zucker. Er ermöglicht es Ihnen, authentische und perfekt ausbalancierte Cocktails zu kreieren, die den wahren Charakter der verwendeten Spirituose ehren, anstatt ihn zu überdecken. Es ist der definitive Schritt vom Hobby-Mixer zum bewussten Connaisseur.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein 2:1-Sirup (zwei Teile Zucker, ein Teil Wasser) bietet ein besseres Mundgefühl und eine deutlich längere Haltbarkeit als der Standard 1:1-Sirup.
- Empfindliche Aromen (Minze, Gurke) benötigen eine Kaltinfusion, während robuste Zutaten (Ingwer, Gewürze) gekocht werden müssen, um ihr volles Aroma zu entfalten.
- Oleo Saccharum ist die Profi-Technik, um aus Zitrusschalen durch Osmose ein extrem intensives, reines Aromaöl ohne Bitterstoffe zu gewinnen.
Directional Freezing: Wie stellen Sie glasklares Eis im eigenen Gefrierfach her?
Nachdem Sie den flüssigen Teil Ihres Cocktails – die Spirituose und den perfektionierten Sirup – gemeistert haben, kommt der letzte, oft vernachlässigte Baustein zur Perfektion: das Eis. Trübes, rissiges Eis aus der Standard-Eiswürfelform schmilzt schnell, verwässert Ihren Drink und trübt das visuelle Erlebnis. Professionelle Bars verwenden hingegen große, kristallklare Eisblöcke. Dieses Eis ist nicht nur schöner, sondern auch funktional überlegen: Es ist dichter, schmilzt langsamer und kühlt den Drink effektiver, ohne ihn schnell zu verwässern.
Die gute Nachricht ist: Sie benötigen keine teure Spezialmaschine, um solches Eis zu Hause herzustellen. Die Technik nennt sich „Directional Freezing“ (gerichtetes Gefrieren) und nutzt ein einfaches physikalisches Prinzip. Trübes Eis entsteht, weil Wasser von allen Seiten gleichzeitig gefriert und dabei Luftbläschen und Mineralien in der Mitte einschließt. Beim gerichteten Gefrieren zwingt man das Wasser, langsam von einer Richtung in die andere zu gefrieren – typischerweise von oben nach unten.
Dazu benötigen Sie lediglich eine kleine, unisolierte Kühlbox, wie man sie im Baumarkt (z.B. Obi, Bauhaus) findet. Diese Box wird ohne Deckel und mit Wasser gefüllt in das Gefrierfach gestellt. Da die Seiten und der Boden der Box isoliert sind, kann die Kälte nur von oben angreifen. Das Wasser gefriert langsam von der Oberfläche nach unten. Alle Luftbläschen und Unreinheiten werden dabei nach unten in den noch flüssigen Teil gedrückt. Indem man den Eisblock entnimmt, bevor er komplett durchgefroren ist, erhält man einen oberen, perfekt klaren Teil und einen unteren, trüben Teil, den man einfach abtrennt.
- Besorgen Sie eine kleine Kühlbox ohne Deckel.
- Füllen Sie die Box mit normalem Leitungswasser und stellen Sie sie in Ihr Gefrierfach.
- Lassen Sie das Wasser für ca. 24 Stunden gefrieren. Das Wasser gefriert langsam von oben nach unten.
- Nehmen Sie den Block aus dem Gefrierfach, bevor er vollständig durchgefroren ist. Der obere Teil sollte fest und klar, der untere noch flüssig oder trüb sein.
- Entnehmen Sie den Eisblock und trennen Sie den unteren, trüben Teil mit einem Sägemesser oder durch vorsichtiges Abschlagen ab.
- Schneiden oder hacken Sie den verbleibenden klaren Eisblock in die gewünschte Würfel- oder Stangenform.
Jetzt haben Sie das Wissen und die Techniken an der Hand, um Sirupe zu kreieren, die weit über einfaches Zuckerwasser hinausgehen. Beginnen Sie noch heute, indem Sie einen Rich Simple Syrup ansetzen und den Unterschied in Textur und Geschmack selbst erleben. Es ist der erste Schritt auf dem Weg, die volle Kontrolle über Ihre Cocktails zu erlangen und Drinks auf einem Niveau zu servieren, das Sie bisher nur aus den besten Bars kannten.